Erwachstum

Humanbotanik

Gedanken zum Bemühen um ein besseres Selbst

In „Du hast keine Wahl. Nutze sie!“ umreiße ich drei verschiede Varianten, erwachsen zu werden:

“Erwachsende — junge Menschen, die ihren Reifungs- und Vorbereitungsprozess bewusst in Angriff nehmen und gestalten — […] geben sich mit ihrem Status Quo nicht mehr zufrieden und wollen an sich arbeiten, wollen ihr Potenzial besser ausschöpfen. […]

Dann gibt es das passive, antriebslose Heranreifen: Schlicht durch das Ansammeln von Lebensjahren und einige prägende Erfahrungen, die damit unweigerlich einhergehen, verliert man ein Stück seiner Kindlichkeit und wird erwachsener. Man wird gewissermaßen ins Erwachsenendasein gespült. […]

Und schließlich gibt eine unerfreuliche Variante des Erwachsenwerdens: Das Erwachsengemachtwerden. Das ins-Erwachsenendasein-gezerrt-werden — wenn elterliche Vernachlässigung, Verwaisen, Krieg, Elend oder andere tragische Schicksale viel zu junge Menschen in viel zu große Verantwortung zwingen.“

Meine Schlussfolgerung lautet:

„Die tragische Variante des Erwachsenwerdens wünscht man niemandem, die passive Variante ist alles andere als erstrebenswert. Aber eine von beiden erwartet jeden, der sich nicht zum aktiven Erwachsen entschließt.“

Dies ist die zentrale Behauptung meines Denkens rund um das Heranreifen zu einem Erwachsenden: Es braucht dafür aktives, bewusstes Bemühen. Es braucht neugieriges Reflektieren und lernbereites Hinterfragen genauso wie freundschaftliche Nachsicht mit sich selbst.

Gezielte Selbstentwicklung

Im Gegensatz zu einem Teil der modernen Selbstoptimierungs-Szene geht es mir dabei aber nicht darum, die eigene Existenz in jeder Hinsicht möglichst nah an Perfektion auf Hochglanz zu trimmen.

Mein Anliegen bei der „Selbstwerdung“ aus den Drei Dimensionen des Erwachsenenlebens dreht sich maßgeblich um Identitätsformung (Wer bin ich – und wer möchte ich sein?) und Persönlichkeitsentwicklung (Wie bin ich — und wie möchte ich sein?).

Diese beiden Aspekte stehen sich gegenüber, beeinflussen sich aber oft und maßgeblich gegenseitig — unter anderem in Bereichen wie

Auf all diese Facetten von Identität und Persönlichkeit hat man mindestens ein Stück weit Einfluss. Ergibt sich aus persönlicher Reflektion oder wiederholter unerfreulicher Erfahrung der Wunsch danach, kann man gezielt darauf hinarbeiten, bestimmte persönliche Eigenschaften zu verstärken oder bis zur Unkenntlichkeit abzuschwächen.

In der Botanik wird genau das — die gezielte Auswahl und Stärkung bestimmter Qualitäten — mittels Züchtung erreicht.

Humanbotanik_Selbstzüchtung

Im Zusammenspiel mit meiner Vokabel des „Erwachstums“ werde ich über konkrete Taktiken, Mindsets, Techniken und Vorgehensweisen zur Aufwertung gewünschter Eigenschaften daher künftig unter dem Schlagwort Selbstzüchtung schreiben.1

Das klingt auf den ersten Blick womöglich sperrig, hat — wie alle meine bisherigen Wortneuschöpfungen — aber auch eine zweite Bedeutungsebene:

Die Selbstzucht ist eine alte Vokabel für Selbstbeherrschung mittels eiserner Disziplin und bloßer Willenskraft.

Meine Vorstellung von Selbstzüchtung kommt nicht ohne Selbstbegrenzung oder Entschlossenheit aus, verlässt sich darauf aber nicht und macht dort auch noch lange nicht Halt.

Es geht vielmehr um langsames, geduldiges und reflektiertes Entwickeln eigener Eigenschaften näher an die persönliche Idealvorstellung heran — als entscheidender Beitrag zum Hineinreifen ins eigene Erwachstum.

“Erwachsende erkennen, dass die eigene Entwicklung ständig im Fluss ist und nie endet. Sie begreifen das als Chance, herauszufinden und zu gestalten, wer sie sein können.“ (aus „Die Erwachsenden“

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Fußnoten

  1. Eine weitere Vorgehensweise, um die Eigenschaften von Pflanzen zu verbessern, ist Genmanipulation. So weit möchte ich meine Metapher aber nicht strapazieren.

#Erwachsen #Selbstwerdung #Selbstzüchtung